Kaum ein Vorurteil hält sich hartnäckiger als das von der arbeitsscheuen Generation Z. Nur belegen lässt es sich nicht, im Gegenteil. Neue Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigen, dass die Erwerbsbeteiligung der 20- bis 24-Jährigen 2025 den höchsten Stand seit Jahrzehnten erreicht hat. Für Arbeitgeber, die um jeden Nachwuchs kämpfen, ist das eine wichtige Korrektur, denn wer eine ganze Generation unterschätzt, spricht sie in Stellenanzeigen und Vorstellungsgesprächen systematisch falsch an.
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Die Analyse der IAB-Forscher Timon Hellwagner und Enzo Weber vom August 2026 stützt sich auf den Mikrozensus, die größte Haushaltsbefragung Deutschlands. Das zentrale Ergebnis: Die Erwerbsquote der 20- bis 24-Jährigen lag 2025 bei 76,8 Prozent. Das sind 7,1 Prozentpunkte mehr als 2015 und noch einmal 0,9 Punkte mehr als 2023. Die Autoren ordnen das unmissverständlich ein und sprechen von "gängigen Klischees", denen die Daten widersprechen. Ihr Fazit: Die Erwerbsbeteiligung junger Menschen liegt heute auf dem höchsten Niveau seit Jahrzehnten.
Das ist bemerkenswert, weil die öffentliche Debatte das Gegenteil behauptet. Von Work-Life-Balance-Verweigerung, Teilzeitwünschen und mangelnder Einsatzbereitschaft ist ständig die Rede. Die Zahlen zeichnen ein anderes Bild. Junge Menschen sind nicht seltener am Arbeitsmarkt aktiv, sondern häufiger als frühere Jahrgänge im gleichen Alter.
Woher kommt dieser Zuwachs? Ein wesentlicher Treiber ist die stark gestiegene Erwerbstätigkeit während des Studiums. Immer mehr junge Menschen jobben parallel zur Ausbildung oder zum Studium, oft in Teilzeit und in bestimmten Branchen. Bei den 20- bis 24-Jährigen mit Abitur, aber ohne abgeschlossene Berufsausbildung, die in Teilzeit arbeiten, sind jeweils über 17 Prozent im Handel und im Gastgewerbe beschäftigt.
Auch insgesamt konzentriert sich die junge Erwerbstätigkeit auf bestimmte Felder. Lebensmittel- und Gastgewerbeberufe sind bei den 20- bis 24-Jährigen um 4,4 Prozentpunkte häufiger vertreten als bei älteren Beschäftigten, Handelsberufe um 3,4 Punkte. Umgekehrt sind sie in der Unternehmensführung und -organisation um 3,8 Punkte und bei unternehmensbezogenen Dienstleistungen um 3,0 Punkte unterrepräsentiert. Das ist wenig überraschend, denn Führungsrollen erreicht man selten mit Anfang zwanzig. Wichtig ist die Botschaft dahinter: Diese Generation sammelt früh und breit Arbeitserfahrung, sie tut es nur an anderen Stellen, als mancher erwartet.
Für Arbeitgeber ist das ein oft übersehener Talentpool. Die Werkstudentin, die im Einzelhandel an der Kasse steht, und der Student, der abends in der Gastronomie aushilft, lernen dabei genau die Dinge, die im Berufsleben zählen: mit Druck umgehen, mit Kunden reden, im Team funktionieren. Wer diese Erfahrung im Bewerbungsgespräch abfragt statt sie als bloßen Nebenjob abzutun, erkennt Kompetenzen, die im Zeugnis nicht auftauchen. Und wer solche Kräfte früh an sich bindet, hat einen Fuß in der Tür, bevor der Wettbewerb überhaupt auf sie aufmerksam wird.
Wenn die Zahlen so eindeutig sind, warum hält sich der Vorwurf der faulen Jugend? Ein Grund liegt in einer Verwechslung. Die Gen Z fordert tatsächlich häufiger als frühere Generationen Sinn, Flexibilität und klare Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben ein. Diese Haltung wird oft als Arbeitsunwilligkeit gedeutet. Tatsächlich ist sie etwas anderes: der Wunsch, unter besseren Bedingungen zu arbeiten, nicht weniger. Wer Grenzen zieht, ist nicht faul, sondern anspruchsvoll.
Ein zweiter Grund ist die selektive Wahrnehmung. Ein einzelner Berufseinsteiger, der im Vorstellungsgespräch nach der Vier-Tage-Woche fragt, bleibt im Gedächtnis. Die vielen, die parallel zum Studium kellnern, im Einzelhandel aushelfen oder Werkstudentenstellen stemmen, sieht niemand. Aus einer lauten Minderheit wird so ein Zerrbild der ganzen Generation.
Bei aller berechtigten Korrektur gehört ein ehrlicher Zusatz dazu. Der Durchschnitt ist so aktiv wie nie, doch der Rand franst aus. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts vom August 2026 sind 10,0 Prozent der 20- bis 24-Jährigen weder in Beschäftigung noch in Bildung oder Ausbildung, ein Anstieg gegenüber 8,8 Prozent im Jahr 2022. Die Gen Z ist also nicht pauschal fleißiger oder fauler, sie ist gespaltener. Ein größerer Teil engagiert sich stark, ein wachsender Teil droht abgehängt zu werden. Wer die Generation verstehen will, muss beide Enden sehen.
Für Arbeitgeber ist die zentrale Erkenntnis unbequem und hilfreich zugleich: Wer die Gen Z für arbeitsscheu hält, verliert sie an Wettbewerber, die es besser wissen. Aus der Beratungspraxis lassen sich fünf konkrete Konsequenzen ableiten:
Die IAB-Zahlen sind mehr als eine statistische Randnotiz, sie sind eine Einladung, ein liebgewonnenes Vorurteil über Bord zu werfen. Die Generation Z arbeitet so viel wie keine junge Generation vor ihr, sie tut es nur zu ihren Bedingungen und an teils anderen Orten. Unsere Haltung ist klar: Arbeitgeber, die weiter über die faule Jugend klagen, betreiben Realitätsverweigerung auf Kosten ihrer eigenen Personalgewinnung. Wer die jungen Menschen dagegen als das anspricht, was sie sind, nämlich früh berufserfahren und anspruchsvoll, verschafft sich im Wettbewerb um Nachwuchs einen Vorsprung.
Wenn Sie junge Fach- und Nachwuchskräfte suchen und den Verdacht haben, dass Ihre Ansprache an dieser Generation vorbeigeht, sprechen Sie mit uns. Als Personalberatung wissen wir, wie man die Gen Z erreicht, ohne in Klischees zu verfallen, und wie man sie nach der Einstellung auch hält.
Häufige Fragen zur Arbeitsmoral der Gen Z
Nein. Laut IAB lag die Erwerbsquote der 20- bis 24-Jährigen 2025 bei 76,8 Prozent, dem höchsten Wert seit Jahrzehnten und 7,1 Prozentpunkte über 2015. Die Erwerbsbeteiligung junger Menschen ist so hoch wie lange nicht.
Er entsteht durch die Verwechslung von Ansprüchen mit Arbeitsunwilligkeit und durch selektive Wahrnehmung. Der Wunsch nach Sinn und Work-Life-Balance wird als mangelnder Einsatz gedeutet, obwohl die Daten das Gegenteil zeigen.
Ein großer Teil des Anstiegs geht auf Erwerbstätigkeit neben dem Studium zurück. Bei jungen Teilzeitkräften mit Abitur ohne Berufsabschluss sind jeweils über 17 Prozent im Handel und im Gastgewerbe tätig.
Beides ist wahr. Der Durchschnitt ist so aktiv wie nie, gleichzeitig stieg der Anteil der 20- bis 24-Jährigen ohne Job und Ausbildung laut Statistischem Bundesamt auf 10,0 Prozent. Die Generation ist gespaltener, nicht pauschal fauler.
Mit Respekt für ihre früh gesammelte Berufserfahrung, mit ehrlicher Kommunikation über Sinn und Vereinbarkeit und ohne die verbreiteten Klischees, die sich in Stellenanzeigen und Interviews oft unbewusst einschleichen.
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Arbeitgeber sollten das Thema weder überhöhen noch ignorieren. Wer es nüchtern erklärt und geschickt mit dem eigenen Vorsorgeangebot verknüpft, verwandelt eine politische Randnotiz in einen glaubwürdigen Beitrag zum finanziellen Wohl der eigenen Belegschaft.
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