Wer 2026 die beste Leistungsbewertung bekam, durfte sich im Schnitt über 5,2 Prozent mehr Gehalt freuen. Wer als durchschnittlich eingestuft wurde, bekam 2,7 Prozent, wer darunter lag, 1,3 Prozent. Für 2027 planen deutsche Unternehmen im Median 3,2 Prozent, bei einer Inflation von 2,9 Prozent bleibt davon real nicht viel. Wer jetzt im Herbst auf die Gehaltsrunde wartet, sollte wissen, dass die Rechnung für ihn selbst ganz anders aussehen kann als der Durchschnitt.


Die Zahlen stammen aus der Salary Budget Planning Survey der Beratung WTW, für die 880 Unternehmen in Deutschland befragt wurden. Danach planen Arbeitgeber für 2027 eine Gehaltserhöhung von 3,2 Prozent im Median. Im laufenden Jahr lag sie bei 3,1 Prozent. Seit 2023 fallen die Erhöhungen damit niedriger aus, damals waren es im Median noch vier Prozent.
Wichtig ist der Unterschied zwischen Plan und Wirklichkeit. 41 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass ihr tatsächliches Gehaltsbudget 2026 niedriger ausfiel als vorgesehen, 22 Prozent haben dagegen mehr ausgegeben. Als Gründe nannten sie Kostenmanagement (35 Prozent), schwächere Finanzergebnisse (30 Prozent) und Inflationsdruck (22 Prozent). Eine geplante Erhöhung ist also noch keine gezahlte.
Im August 2026 lag die Inflation bei 2,9 Prozent. Eine Gehaltserhöhung von 3,1 Prozent ergibt damit ein reales Plus von rund 0,2 Prozent. Ein Vergleich zeigt, wie sehr sich die Lage beruhigt hat: 2023 gab es im Median vier Prozent mehr Gehalt, die Inflation lag aber bei 6,2 Prozent, die Beschäftigten verloren real.
Das Statistische Bundesamt meldet zugleich, dass die Reallöhne im zweiten Quartal 1,5 Prozent über dem Vorjahresquartal lagen. Beide Zahlen widersprechen sich nicht, sie messen Unterschiedliches: Die WTW-Studie betrachtet den Median der Gehaltserhöhungen in den befragten Unternehmen, die amtliche Zahl die Entwicklung der Verdienste aller Beschäftigten. Wer wissen will, wo er selbst steht, sollte beide im Kopf haben, aber vor allem seine eigene Abrechnung.
Im internationalen Vergleich liegt Deutschland laut WTW auf niedrigem Niveau. Beschäftigte in Südkorea bekamen 2026 vier Prozent mehr, in Großbritannien und den USA 3,5 Prozent, in Spanien 3,2 Prozent. Weniger gab es in Frankreich mit drei Prozent und in der Schweiz mit 2,4 Prozent.
Entscheidend für den einzelnen Beschäftigten ist, wie Unternehmen ihr Budget verteilen. 63 Prozent der Befragten nehmen individuelle Anpassungen vor. Nicole Fischer, Managing Director Work & Rewards bei WTW, hält die Pauschalrunde, in der alle denselben Prozentsatz erhalten, außerhalb von Tarifverträgen in Deutschland für weitgehend Geschichte. Unternehmen differenzieren stattdessen nach Leistung, Funktion und strategischer Bedeutung der Rolle.
Das zeigen die Zahlen: 5,2 Prozent für Spitzenleistung, 2,7 Prozent für durchschnittliche, 1,3 Prozent für unterdurchschnittliche. Der Abstand zwischen oben und unten beträgt fast vier Prozentpunkte. Erstaunlich ist dagegen, was die Studie nicht findet: Die viel diskutierten Unterschiede zwischen den Hierarchieebenen sind laut WTW in der Praxis marginal, Führungskräfte bekamen nicht mehr als einfache Angestellte.
Auch die Branche macht einen Unterschied. In Pharma und Life Science stiegen die Gehälter 2026 im Median um 3,2 Prozent, für 2027 sind 3,4 Prozent geplant, WTW verweist auf den anhaltenden Fachkräftemangel und den internationalen Wettbewerb um Personal. In der Chemie waren es drei Prozent, und dabei soll es 2027 bleiben, weil die Branche unter Nachfragerückgang und Margendruck leidet. Zu einem ähnlichen Bild kam Kienbaum in seiner Gehaltsentwicklungsprognose 2026: Unternehmen mit herausfordernden Geschäftsaussichten planten 2,3 Prozent ein, solche mit optimistischer Einschätzung 3,3 Prozent.
Hier beginnt die Einschätzung, denn manches davon lässt sich nur aus den Zahlen ableiten. Wer in einem Unternehmen mit Tarifvertrag arbeitet, bekommt die Erhöhung, die dort vereinbart wurde, aber das trifft nach dem IW Köln nur auf rund die Hälfte der Beschäftigten zu, 49,6 Prozent waren 2023 tarifgebunden. Alle anderen verhandeln, ob sie wollen oder nicht, und treffen auf ein Umfeld, in dem Unternehmen auf Kosten achten und Fachkräfte zugleich nicht mehr so knapp sind wie vor zwei Jahren.
Das dämpft die Verhandlungsmacht. Nach der Kienbaum-Prognose berichteten 15 Prozent der Unternehmen von sinkenden Gehaltserwartungen bei Bewerbern, und im Stepstone Hiring Trends Update gaben 26 Prozent der Kandidaten an, ihre Gehaltserwartungen aktiv zu senken. Wer als Beschäftigter trotzdem mehr will, braucht ein Argument, das über den Wunsch hinausgeht: belegbare Leistung, eine Rolle mit strategischer Bedeutung oder gefragte Fähigkeiten. Bei Fähigkeiten verweist das PwC AI Jobs Barometer 2026 darauf, dass Beschäftigte mit KI-Kenntnissen in den meisten Sektoren über 20 Prozent mehr verdienen, ein Zusammenhang, der nicht automatisch heißt, dass KI-Kenntnisse allein den Aufschlag begründen.
Die Gehaltsrunde, in der alle gleich viel bekommen, ist in vielen Betrieben vorbei. Das ist unbequem für alle, die bisher einfach auf den Prozentsatz im Brief gewartet haben, und eine Chance für die, die ihre Leistung belegen können. 3,2 Prozent sind im Schnitt kaum mehr als ein Inflationsausgleich, doch die Spanne von 1,3 bis 5,2 Prozent zeigt, dass der Spielraum für den Einzelnen größer ist als der Median verrät. Wer sich vor dem Gespräch vorbereitet und eine konkrete Zahl begründen kann, steht besser da als jemand, der auf eine Pauschale hofft. Recrutis unterstützt Sie dabei, Ihren Marktwert einzuschätzen und, wenn es im Unternehmen nicht reicht, den passenden nächsten Arbeitgeber zu finden.
Häufige Fragen zur Gehaltserhöhung 2027
Unternehmen planen im Median 3,2 Prozent, so die WTW Salary Budget Planning Survey mit 880 befragten Unternehmen. 2026 waren es 3,1 Prozent.
Bei einer Inflation von 2,9 Prozent im August 2026 blieb 2026 ein reales Plus von rund 0,2 Prozent.
Vor allem Beschäftigte mit Spitzenleistung: Sie erhielten 2026 im Schnitt 5,2 Prozent, durchschnittlich Bewertete 2,7 Prozent, unterdurchschnittlich Bewertete 1,3 Prozent.
Ja. In Pharma und Life Science sind für 2027 im Median 3,4 Prozent geplant, in der Chemie drei Prozent.
Nur dort, wo ein Tarifvertrag sie vorsieht. Außerhalb davon ist die pauschale Runde nach Einschätzung von WTW weitgehend Geschichte, 63 Prozent der Unternehmen passen Budgets individuell an.
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Lena Onderka: Gehaltserhöhung 2027: WTW-Studie besagt, dass Leistung entscheidet, Personalwirtschaft, 22.09.2026.
Statistisches Bundesamt (Destatis): Pressemitteilung Nr. 308 vom August 2026 zur Reallohnentwicklung, zitiert nach Personalwirtschaft.
Kienbaum: Gehaltsentwicklung 2026: Unternehmen und Personalbudgets, zitiert nach Personalwirtschaft.
Lecturio: Gehaltserhöhung 2027: KI-Kompetenz wird zum Hebel, 08.10.2026.
PwC: AI Jobs Barometer 2026, Pressemitteilung vom 30.06.2026.
IW Köln: IW-Kurzbericht 5/2026: Tarifbindung statt Geltung stärken, Januar 2026.
Stepstone: Arbeitsmarkt 2026: Zwischen Druck und Wechselbereitschaft, Hiring Trends Update, 15.06.2026.

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