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Fachkräftemangel Ingenieure: Warum der Rückgang bei offenen Stellen trügt

96.760 offene Stellen in Ingenieur- und Informatikberufen meldete der Arbeitsmarkt im vierten Quartal 2025, ein Rückgang von 18,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wer daraus schließt, der Fachkräftemangel in diesen Berufen sei Geschichte, irrt sich gleich doppelt. Der aktuelle Ingenieurmonitor des Instituts der deutschen Wirtschaft im Auftrag des VDI zeigt, dass hinter dem Rückgang vor allem die schwache Konjunktur steckt, nicht ein gelöstes Fachkräfteproblem. Und er liefert einen Ausblick bis 2040, der genau das Gegenteil einer Entwarnung ist.

Fachkräftemangel Ingenieure

Fachkräftemangel Ingenieure: Was der aktuelle Ingenieurmonitor tatsächlich zeigt

Axel Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat den Ingenieurmonitor 2025/IV im Auftrag des Verbands Deutscher Ingenieure (VDI) ausgewertet, veröffentlicht im August 2026. Das Bild ist uneinheitlich: Im vierten Quartal 2025 sank die Zahl der offenen Stellen insgesamt um 18,2 Prozent auf 96.760, doch die Entwicklung unterscheidet sich stark nach Berufsfeld. In den Bauingenieurberufen ging die Zahl offener Stellen nur um 3,8 Prozent zurück, in den Informatikberufen dagegen um 33,0 Prozent. Besonders stark fiel der Rückgang in Bayern und Baden-Württemberg aus, den beiden Bundesländern mit der höchsten Bedeutung des wirtschaftlich stark belasteten Fahrzeugbaus.

Gleichzeitig stieg die Zahl der arbeitslos gemeldeten Ingenieurinnen, Ingenieure und Informatiker auf durchschnittlich 58.392 Personen im vierten Quartal, ein Plus von 16,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 2011. Auch hier zeigt sich ein deutliches Branchengefälle: Während die Arbeitslosigkeit bei Bauingenieuren nur um 5,8 Prozent zunahm, stieg sie in der Technischen Forschung und Produktionssteuerung um 32,9 Prozent und in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik sogar um 34,0 Prozent, ebenfalls mit den stärksten Ausschlägen in Bayern und Baden-Württemberg.

Warum der Rückgang bei offenen Stellen kein Grund zur Entwarnung ist

Trotz dieser rückläufigen Zahlen liegt die Engpasskennziffer, also die Zahl offener Stellen je 100 Arbeitslose, im vierten Quartal 2025 bei 166. Das ist zwar 29,9 Prozent niedriger als im Vorjahr, signalisiert nach der Einordnung des IW aber weiterhin einen leichten Fachkräfteengpass, nicht dessen Auflösung. Besonders deutlich zeigt sich das bei den Bauingenieurberufen mit 314 offenen Stellen je 100 Arbeitslosen, gefolgt von der Energie- und Elektrotechnik mit 246 und der Maschinen- und Fahrzeugtechnik mit 173. Regional sind die Engpässe in Sachsen-Anhalt und Thüringen mit 246 sowie in Sachsen mit 208 am größten, auch Bayern liegt trotz der starken Rückgänge noch bei 193. Am entspanntesten ist die Lage in Berlin und Brandenburg.

Die aktuell vergleichsweise moderaten Engpässe erklärt Plünnecke vor allem mit der schwachen Konjunktur, nicht mit einem gelösten Nachwuchsproblem. Zwischen 2012 und 2025 wuchs die reale Bruttowertschöpfung in Deutschland nur um 13 Prozent, im Verarbeitenden Gewerbe, in dem Ingenieurberufe besonders stark vertreten sind, liegt sie 2025 sogar noch auf dem Niveau von 2012. Trotz dieser wirtschaftlichen Stagnation ist die Beschäftigung in Ingenieur- und Informatikberufen zwischen 2012 und 2024 von knapp 1,0 Millionen auf gut 1,5 Millionen gestiegen, ein Plus von 59 Prozent. Der aktuelle Rückgang bei den offenen Stellen ist also eine konjunkturelle Delle in einem strukturell weiterhin wachsenden Berufsfeld, kein Kurswechsel.

Der Blick bis 2040: Warum der Fachkräftemangel zurückkommt

Der eigentlich entscheidende Teil des aktuellen Ingenieurmonitors ist der Sonderteil zum Ausblick bis 2040. Er zeigt, dass der starke Beschäftigungszuwachs der vergangenen Jahre demografisch bedingt nicht so weitergehen wird. Im Basisszenario, das bereits Zuwanderung einrechnet, wächst die Beschäftigung in Ingenieur- und Informatikberufen bis 2035 nur noch um 11 Prozent auf knapp 1,7 Millionen und bis 2040 um 15,4 Prozent auf 1,74 Millionen. Der Wachstumspfad der vergangenen Dekade bricht damit deutlich ab, mit spürbaren Folgen für die künftige wirtschaftliche Dynamik.

Das IW rechnet allerdings auch ein Best-Case-Szenario durch, in dem die Beschäftigungspotenziale von Älteren, Frauen und Migrantinnen und Migranten konsequenter gehoben werden. In diesem Szenario könnten 2035 rund 127.150 und 2040 rund 194.100 zusätzliche Beschäftigte in Ingenieur- und Informatikberufen gewonnen werden. Der volkswirtschaftliche Effekt wäre erheblich: ein Wertschöpfungsplus von 15,8 Milliarden Euro im Jahr 2035 und 24,1 Milliarden Euro im Jahr 2040. Die aktuell entspannteren Engpasszahlen sollten Unternehmen also nicht zu der Annahme verleiten, das Thema sei erledigt. Es ist eher eine Atempause vor einer demografisch bedingten Verschärfung.

Was HR-Entscheider aus dem aktuellen Fenster machen sollten

Die vorübergehend entspanntere Marktlage in Ingenieur- und Informatikberufen eröffnet Unternehmen ein Zeitfenster, das sich strategisch nutzen lässt:

  • Jetzt gezielt einstellen, solange der Wettbewerb geringer ist. Besonders in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik sowie in Informatikberufen ist die Konkurrenz um Kandidaten aktuell schwächer als in den vergangenen Jahren, ein guter Moment, um Positionen zu besetzen, die sonst monatelang offen blieben.
  • Ältere Fachkräfte gezielt halten und aktivieren. Da das Best-Case-Szenario maßgeblich auf einer höheren Erwerbsbeteiligung Älterer beruht, lohnt sich der Blick auf Arbeitszeitmodelle und Wissenstransfer-Programme für Beschäftigte ab 55 schon heute.
  • Regionale Engpässe im Blick behalten. Wer in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen oder Bayern rekrutiert, bewegt sich weiterhin in einem deutlich angespannteren Markt als der Bundesdurchschnitt suggeriert, hier bleibt eine vorausschauende Personalplanung besonders wichtig.
  • Internationale Fachkräfte als festen Bestandteil der Strategie etablieren. Da Zuwanderung bereits im Basisszenario eingerechnet ist, hängt jedes zusätzliche Wachstum über dieses Szenario hinaus maßgeblich davon ab, wie erfolgreich Unternehmen internationale Ingenieurinnen und Ingenieure gewinnen und binden.

Fazit: Die ruhige Phase ist die beste Zeit für vorausschauendes Recruiting

Die aktuellen Zahlen laden zu einem Trugschluss ein: weniger offene Stellen, mehr Arbeitslose, also entspannt sich die Lage. Wer genauer hinschaut, erkennt stattdessen eine konjunkturelle Delle in einem Berufsfeld, das demografisch bedingt schon in den kommenden Jahren wieder knapper wird. Unternehmen, die dieses Zeitfenster nutzen, um jetzt gezielt einzustellen und gleichzeitig Ältere, Frauen und internationale Fachkräfte stärker einzubinden, sichern sich einen Vorsprung, den die Konkurrenz erst bemerkt, wenn die Engpasskennziffern wieder steigen. Wenn Sie wissen wollen, wie Sie das aktuelle Marktfenster für Ihre offenen Ingenieurpositionen optimal nutzen, sprechen Sie mit uns, wir kennen die Kanäle und Zielgruppen, über die sich diese Fachkräfte heute noch erreichen lassen.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Fachkräftemangel bei Ingenieuren

Ist der Fachkräftemangel bei Ingenieuren vorbei?

Nein. Die Engpasskennziffer liegt im vierten Quartal 2025 zwar niedriger als im Vorjahr, mit 166 offenen Stellen je 100 Arbeitslosen deutet sie laut IW aber weiterhin auf einen Engpass hin. Der Rückgang ist vor allem konjunkturell bedingt, nicht strukturell.

Welche Ingenieurberufe sind am stärksten vom Fachkräftemangel betroffen?

Am größten ist der Engpass in den Bauingenieurberufen mit 314 offenen Stellen je 100 Arbeitslosen, gefolgt von der Energie- und Elektrotechnik mit 246 sowie der Maschinen- und Fahrzeugtechnik mit 173.

In welchen Regionen ist der Ingenieurmangel am größten?

Am höchsten ist die Engpasskennziffer in Sachsen-Anhalt und Thüringen mit 246, gefolgt von Sachsen mit 208. Auch Bayern liegt trotz starker Rückgänge bei 193. Am niedrigsten ist der Engpass in Berlin und Brandenburg.

Warum ist die Arbeitslosigkeit bei Ingenieuren gleichzeitig auf einem Rekordhoch?

Die Arbeitslosigkeit in Ingenieur- und Informatikberufen lag im vierten Quartal 2025 mit durchschnittlich 58.392 Personen so hoch wie nie seit Beginn der Erhebung 2011. Grund ist vor allem die schwache konjunkturelle Lage, besonders im Fahrzeugbau in Bayern und Baden-Württemberg.

Wie entwickelt sich der Bedarf an Ingenieuren bis 2040?

Im Basisszenario wächst die Beschäftigung in Ingenieur- und Informatikberufen bis 2040 nur noch um 15,4 Prozent, deutlich langsamer als in der Vergangenheit. Werden die Potenziale von Älteren, Frauen und Migranten besser gehoben, sind bis 2040 rund 194.100 zusätzliche Beschäftigte und ein Wertschöpfungsplus von 24,1 Milliarden Euro möglich.

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Quellen

Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln), Axel Plünnecke, Ingenieurmonitor 2025/IV, Gutachten für den VDI, veröffentlicht 03.08.2026.

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